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As rights go by – Über Rechtsverlust und Rechtlosigkeit

Eröffnung: 14. April, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 15. April–12. Juni 2016
Ort: freiraum Q21/MuseumsQuartier Wien


KünstlerInnen: Silvia Beck, James Bridle, Petja Dimitrova, George Drivas, Özlem Günyol/Mustafa Kunt, Adelita Husni-Bey, Nikita Kadan, Vladimir Miladinović, Yuri Pattison, Lorenzo Pezzani und Charles Heller, Julien Prévieux, Andrea Ressi, Judith Siegmund, Lina Theodorou, Carey Young

Wie hängen Einschränkungen von Bürgerrechten und die Rechtlosigkeit von Flüchtlingen zusammen? Ökonomische Agenden wirken sich parallel zum sicherheitstechnischen Phantasma zunehmend auf unsere BürgerInnenrechte aus. Rendite- und Sicherheitsversprechungen unterminieren von der Verfassung garantierte Rechte – Rechte, die Flüchtlingen gar nicht erst zugestanden werden.

Postdemokratische Entwicklungen haben sich im letzten Jahrzehnt beschleunigt: Unregulierte  Finanzmärkte, die zunehmend politische Agenden dominieren, sowie unkontrollierte Massenüberwachung, die zukünftiges (Verkaufs-)verhalten vorhersagen und beeinflussen will, prägen unsere Realität. Im aktuellen hochexplosiven Szenario lohnt vor allem ein Blick auf die Ursachen und Folgen der mit zunehmender ökonomischer Ungleichheit verbundenen rechtlichen Ungleichheiten. Die behauptete Notwendigkeit, dass sich die Politik den Interessen des Marktes unterordnen müsse, führt zu einer Verschiebung von Rechten zu Gunsten von Investoren. Schulden und Handelsabkommen sind Instrumentarien mit denen Ungleichheit festgeschrieben und institutionalisiert wird. Die Radikalisierung und Globalisierung der Märkte wiederum führt zu einer Verschärfung sozialer und rechtlicher Ungleichheit zwischen reichen und armen Ländern, im Kampf um billige Rohstoffe und Arbeitskräfte. Neokolonialistische Vorgehensweisen, die mit ein Grund für die Migrationsbewegungen sind.

Die künstlerischen Arbeiten untersuchen diese Folgewirkungen von Globalisierung, Finanzialisierung, Austeritätspolitik und Massenüberwachung auf Bürgerrechte und Menschenrechte sowie damit verbundene soziale und rechtliche Ungleichheiten. Die Frage nach der Rechteverteilung stellt sich auch innerhalb des  Systems der Kunst. Das Kunstsystem spiegelt die in der Gesellschaft zu beobachtenden sozialen und rechtlichen Ungleichheiten wider. Innerhalb ästhetischer Praxen spielt die Reflexion der eigenen Handlungsweise und Positionierung eine entscheidende Rolle, um rechtliche, soziale, gesellschaftliche Asymmetrien in den Produktionsbedingungen sichtbar zu machen.

www.q21.at/freiraum/


Ausstellungen:


Das Als-ob-Prinzip – Über ästhetische Manöver und Kategorien als ideologisches Konstrukt

Eröffnung: Freitag, den 4.9.2015 um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 5.9.–22.11.2015
Ort: Magazin4 – Bregenzer Kunstverein, Bergmannstraße 6, 6900 Bregenz

KünstlerInnen: 
Miriam Bajtala, Adriana Bustos, Sophie Dvořák, Mehmet Fahraci, Ellen Gallagher, Jan Peter Hammer, Antonia Hirsch, Ulrik Heltoft/Miljohn Ruperto, Liz Magic Laser, Adrian Melis, Rachel Reupke, Jonas Staal

Die Ausstellung befasst sich mit dem »So-tun-als-ob« und dem »So-sein-als-ob« im künstlerischen und gesellschaftspolitischen Zusammenhang. Das Als-ob-Prinzip ist eine ästhetische Praxis, mit der Wirklichkeit reflektiert wird, Zuordnungen aufgebrochen und Möglichkeitsformen entwickelt werden. Es ist aber auch eine Strategie, um Wirklichkeit zu konstituieren und Verhaltensweisen zu prägen. Mit dem Als-Ob-Prinzip können Widersprüchlichkeiten analysiert oder imaginiert werden, es kann als kulturelle Technik gesehen werden, mit der Realität erträglicher gemacht wird oder als Verdrängungsmechanismus, mit dem Scheinstrukturen aufrecht erhalten werden. Eines der wichtigsten Kriterien dabei ist die Leugnung des »Als-ob-Charakters«, wodurch Faktizität behauptet und Realität konstituiert wird.

Die Arbeiten untersuchen Formen der Repräsentation, analysieren hegemoniale Praxen und erforschen ungeklärte Zonen zwischen Fiktion und Realität. Wie verändern Scheinstrukturen Verhaltensweisen, Wahrnehmungsprozesse und Realität, und wie wird das in der Kunst reflektiert? KünstlerInnen bedienen sich unterschiedlicher Techniken des Als-ob, um festgeschriebene Als-ob-Kategorien aufzubrechen. Die in der Ausstellung präsentierten Arbeiten untersuchen Als-ob-Handlungs- und Seinsweisen, thematisieren Repräsentation als ästhetisches und als politisches Modell, erforschen Als-ob-Mechanismen innerhalb ideologischer Kontexte und fragen nach der Rolle der Kunst, die Teil von Als-ob-Systemen ist, diese aufbrechen und neue Sicht- und Denkweisen eröffnen kann.

Magazin4.at, Bregenzer Kunstverein


Unsichtbare Manöver – Interpretationsreservate und Definitionsreviere

Eröffnung: Donnerstag, den 23.07.2015 um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 24.7.–29.8.2015
Ort: Galerie Wedding, Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin

KünstlerInnen: 
Anna Artaker und Meike S. Gleim, Silvia Beck, Burak Delier, Francis Hunger, Nadia Kaabi-Linke, Susan Schuppli, Juliane Zelwies

Obwohl beide, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, immer schon reguliert wurden, stellt sich zunehmend die Frage nach dem sich verändernden Verhältnis von Regulierungstechnologien und deren Einsatzbereichen. In der Ausstellung werden politische Agenden, die sich immer mehr in geheime, informelle Bereiche verlagern, untersucht und nach den hierfür benutzten Strategien und Legitimationen befragt. Parallel zur Massenüberwachung können Politiken des Geheimen beobachtet werden, wenn man etwa an die angekündigten Handelsabkommen oder an informelle Praktiken wie Lobbyismus, Schattenbörsen und -banken etc. denkt. Die Karten im Kampf um Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit werden neu gemischt, begleitet von bürgerrechtlichen und demokratiepolitischen Konsequenzen. Die künstlerischen Arbeiten erforschen Kategorien von Interpretationshoheit und Definitionsmacht im Kontext ästhetischer, ideologischer und technologischer Bereiche und fragen nach den ästhetischen Manövern, durch die Zuordnungssysteme aufgebrochen werden können. Inwieweit unterliegen ästhetische Praxen selbst diesen Mechanismen?
galeriewedding.de


2012/2013

KünstlerInnen: Meriç Algün RingborgMarianne Flotron, Søren Thilo Funder, Florian Göttke, Naomi Henning, Migrafona, Olivia PlenderPilvi Takala, Florin Tudor & Mona Vătămanu, Katarina Zdjelar

Die Bezeichnung „Barbaren der Oberschicht“ ist von einem Ausspruch des englischen Justizminis­ters Kenneth Clarke abgeleitet, der anlässlich der Aufstände im Sommer 2011 in London nicht nur alle TeilnehmerInnen der Proteste undifferenziert als kriminell bezeichnete, sondern die Demonstranten auch als  „Barbaren der Unterschicht“  verunglimpfte. Premier David Cameron setzte auf harte Strafen und Disziplinierungsmaßnahmen, um den „Werteverfall der Jugendlichen“, wie er es nannte, zu bekämpfen. Die eigene konservative Politik, die Sparprogramme und Kürzungen im sozialen Bereich forcierte, Reiche hingegen in steuerlicher und gesellschaftlicher Hinsicht unterstützte, wurde in keinem Zusammenhang mit den Unruhen gesehen. Die Ausstellung beschäftigt sich mit unterschiedlichen Formen systemischer und symbolischer, oft nicht sichtbarer, anonymer Gewalt, die subjektive Gewalt (oft sichtbar, an Personen gebunden) als Reaktion hervorruft und auslöst. Die gezeigten Arbeiten erforschen unterschiedliche Bereiche systemischer Gewalt des Kapitalismus und analysieren unterschiedliche Formen der Maskerade, die dieses Gewaltpotenzial versteckt. Nicht die Akteure stehen im Vordergrund, sondern die den sozialen Bedingungen des globalen Kapitalismus innewohnenden, systemischen Gewaltmechanismen. Wie gelingt es systemischer Gewalt so erfolgreich, unsichtbar zu agieren, ohne entdeckt zu werden? Die Maske und die Inszenierung funktionieren perfekt, um zu verhüllen, dass hinter dem Kapitalismus kein moralischer Kern, sondern Gewalt steht. 

Ort: ratskeller – Galerie für zeitgenössische Kunst, Berlin (2012)

Link zur Ausstellung: www.barbaren-der-oberschicht.net


 2012

KünstlerInnen: Zachary Formwalt, Goran Galić & Gian-Reto Gredig, Erik Göngrich, Ulrike Ludwig, Bettina Lockemann, Vladimir Mitrev, Karina Nimmerfall, Elisabeth Schmirl, Judith Siegmund, Victoria Tomaschko

In der Ausstellung „Research – Wirklichkeit als Material” wird die Frage nach künstlerischer Forschung und recherchebasierter Produktionsweise im Hinblick auf die Fotografie gestellt. Wie unterscheiden sich dokumentarische und journalistische Fotografie von Fotografie, die auf künstlerischer Forschung basiert? Was ist der Stellenwert von For­schung innerhalb der Fotografie? Wie wird Fotografie in künstlerischer Forschung eingesetzt und wo stößt sie auf ihre Grenzen innerhalb der Darstellung komplexer Zusammenhänge? Welche Rolle spielt Realität als Ausgangsbasis – werden fiktive Elemente integriert, gibt es produktions­technisch gesehen Bezüge und Überschneid­ungen mit der Herstellung von Texten und Filmen? Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Wissensproduktion und Ästhetik, mit „Poetologien des Wissens”, wie Joseph Vogl das nennt. Kann und soll Fotografie Wissen transportieren oder wird Wissen als kunstimmanenter bzw. ästhetischer Bestandteil künstler­ischer Produktion vorausgesetzt? Und inwieweit wurde und wird Fotografie als Instrument zur Repräsentation von Herrschaftsgeschichte eingesetzt, um Wahr­nehmungsstrukturen und Sichtweisen zu prägen? In der Ausstellung werden diese unterschiedlichen Fragestellungen thematisiert und die fotografische Darstellung in der Konstruktion und Produktion von historischem, anthropologischem und politischem Wissen und seiner Repräsentation untersucht.

Ort: ratskeller – Galerie für zeitgenössische Kunst, Berlin

Link zur Ausstellung: www.research-wirklichkeit-als-material.net


Beutezüge. Systeme des Eigennutzes – Mechanismen der Plünderung

2012

KünstlerInnen: Lara Baladi, Taysir Batniji, Zanny Begg, Candida TV/D Media, Libia Castro/Olafur Olafsson, G.R.A.M., Jan Peter Hammer, Lina Khatib, Maryam Jafri, Joanne Richardson & David Rych, Vassiliea Stylianidou, Moira Zoitl 

Immer mehr kristallisiert sich in der Dramatik der Ereignisse der letzten Jahre ein Motiv heraus, das sowohl der Finanzkrise als auch den Ereignissen in der arabischen Welt zugrunde liegt: Ausbeutung und Systeme des Eigennutzes sind Mechanismen der Plünderung, die als Neoliberalismus im demokratischen Gewand oder nackt als autoritäre Systeme daher kommen. Einmal legal und hoch geschätzt und einmal ignoriert und verachtet. Die Möglichkeiten der Ausbeutung sind grenzenlos. Realitätsverlust kennzeichnet die Akteure beider Systeme. Das Finanzsystem und dessen Beute-Mechanismen sind in seiner Abstraktheit schwer nachzuvollziehen, im Gegensatz zu Ausbeutungssystemen in totalitär regierten Ländern, in denen Ausbeutung das alltägliche Leben und speziell den Überlebenskampf der Bevölkerung bestimmt. Politische, ökonomische und rechtliche Bedingungen für unregulierte Beutezüge werden installiert, um Methoden des Eigennutzes zu systematisieren und elitäre Machtsysteme zu verfestigen.

Orte: Open Systems Wien, ratskeller – Galerie für zeitgenössische Kunst Berlin, Fotohof Salzburg (2012)


Von hier bis dort – Subjektinszenierungen zwischen Wirklichkeit und Fiktion

2012

Künstlerinnen: Trish Morrissey, Barbara Musil and Karolina Szmit, Laura Ribero, Magda Tothova, Anna Witt

Die Ausstellung zeigt Beispiele von Subjektinszenierungen von Künstlerinnen, die sich zwischen Wirklichkeit und Fiktion bewegen. Die Künstlerinnen inszenieren sich in privaten und öffentlichen Räumen und repräsentieren unterschiedliche gesellschaftliche Positionen, Identifikationsmöglichkeiten, Rollen- und Verhaltenszuweisungen. Sie schlüpfen in Rollen, inszenieren sich und die eigene Subjektbezogenheit neu, um durch die Inszenierung der eigenen Person, Selbstbe­fragungs­prozesse im gesellschaftspolitischen Kontext neu zu formulieren. Im Mittelpunkt steht die instabile Position des Subjekts gegenüber der Wirklichkeit, die einerseits ein Produkt dieser Inszenierungsprozesse ist, und anderseits Inszenierungsprozesse provoziert. Welche Formen der Subjektinszenierung sind Teil alltäglicher Verhaltensweisen geworden, ohne wirklich bewusst als solche wahrgenommen zu werden? Die Formen der Repräsentation und der Selbstinszenierung haben sich in den letzten zwanzig Jahren massiv verändert, wenn man an Verhaltensweisen in der Politik und der Wirtschaft denkt, an die Selbst­opti­mie­rungs­forderungen seitens des Arbeitsmarktes, an Verhaltensvorgaben in Reality-Shows und Talkshows, oder an die Ökonomisierung privater Beziehungen. Diese Inszenierungsformen spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider und werden als scheinbar notwendige Mittel der Selbstvermarktung verkauft, um normative Strukturen zu installieren.

Ort: Austrian Cutural Forum London (2012)


DAS, was nicht gesagt wird – Subtexte in Politik und Kunst

2012

KünstlerInnen: Kaya Behkalam, Erik Bünger, Sven Johne, Claudia Larcher, Elke Marhöfer, Barbara Musil, Gregg Smith, Veronika Schubert

Die Ausstellung beschäftigt sich mit unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Unausgesprochenen: Welche unter­schiedlichen Formen von Subtexten gibt es und wie werden sie in Kultur und Politik eingesetzt? Die gezeigten Arbeiten analysieren mögliche Codierungen innerhalb psychologischer, politischer, ideologischer und künstlerischer Systeme. Wie werden Subtexte verwendet, an wen sind sie adressiert und wen schließen sie aus? Handelt es sich hierbei um implizite Vorgaben für Denk- und Verhaltensmuster, um Unbewusstes, Traumata, Leerstellen, Geheimnisse etc.? Die Ausstellung  „DAS, was nicht gesagt wird“ beschäftigt sich mit diesen, den unterschiedlichen Bedeutungsebenen zugrunde liegenden Subtexten und stellt die Frage nach deren möglichem Einsatzzweck, nach unterschiedlichen Intentionen, Codierungen, Darstellungsformen und Positionen der Autoren:  „Wer spricht zu wem?“  Was wird gesagt, was nicht und warum nicht? Was kann oder soll nicht ausgesprochen werden, welche Weltbilder werden hier konstruiert oder bestätigt und welche anderen Bilder werden ausgeblendet? Wie können Implikationen gelesen werden und welche Möglichkeiten der Darstellung von Subtexten gibt es? Diese nicht auf den ersten Blick sichtbaren, verschwiegenen Erzählungen und Inhalte stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Ort: ratskeller – Galerie für zeitgenössische Kunst, Berlin (2012)


Schon wieder und nochmal? – Handlungsspielräume

2011

KünstlerInnen: Claudia Aravena Abughosh, Chto delat?, Daniela Comani, Marianne Flotron, Andrea Geyer, Melanie Gilligan, Nina Höchtl, Ana Husman, Sinisa Labrovic, Stefan Panhans, Dita Pepe/Petr Hrubes, Laura Ribero, Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer, Carey Young 

In der Ausstellung "Schon wieder und nochmal? – Handlungsspielräume", geht es um Verhaltensmuster und Hand­lungsstrukturen auf imaginärer, symbolischer und realer Ebene und um die Frage inwieweit die Vermittlung neokonser­vativer Wertkonstanten Alltagsleben prägt und verändert. Das Imaginäre betrifft die Entstehungen von Handlungs- und Verhaltensvorbilder durch TV-Serien und Filme. Normiertes Verhalten wird durch Wiederholungen und Übertragungen von Wertsystemen vermittelt und dann auf symbolischer Ebene in Coachinprogrammen trainiert. Begriffe aus der Wirtschaft und dem Sport wie zielorientiert, leistungsorientiert, effizient, Personal Trainer etc. werden durch TV-Serien und durch Coachingprogramme auf private Bereiche und Arbeitsbereiche übertragen. Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Arbeiten beschäftigen sich mit Übertragungsmechanismen von Verhaltensweisen und mit unter­schied­lichen Bedingungen subjektiver wie gesellschaftlicher Handlungsweisen. In den künstlerischen Positionen spielen die Suche nach reflexiven Analysen, ironischen Kommentaren oder Reinszenierungen von Handlungsmodellen eine große Rolle.

Ort: Medienturm Graz (2011)

Link zur Ausstellung: www.medienturm.at


2010

KünstlerInnen: Bani Abidi, Claudia Aravena Abughosh, Sylvie Boisseau & Frank Westermeyer, Silvia Beck, Ronald Gerber, Nina Höchtl, Siniša Labrović, Angela Lubic, Susanne Pittroff, Sandra Schäfer mit Elfe Brandenburger, Bianca Tschaikner

In der Ausstellung werden künstlerische Positionen gezeigt, die sich auf gesellschaftspolitischer und auf individueller Ebene mit vorgefundenen und konstruierten Hindernissen sowie mit Möglichkeiten des Widerstands befassen. Auf Widerstand stößt man oder leistet ihn, Hindernisse sind vorhanden oder konstruiert. Barrieren wollen als Blockaden erst einmal erkannt und wahrgenommen werden, fordern Umwege, Zeit, Überlegungen und Techniken wie sie überwunden werden können. Die gezeigten Arbeiten thematisieren unterschiedliche Dispositionen, Bezugsfelder und Überwindungs­möglichkeiten von Barrieren und auch deren Scheitern. Gesellschaftliche Normsetzungen und Strukturen werden auf deren Hindernisfaktor hin geprüft und partizipatorische Handlungsweisen als Möglichkeiten des Widerstands unter­sucht. Bildung und Sozialisation spielen im Erkennen, in der Definition und in der Bewältigung von Hindernissen eine große Rolle. Was können staatliche und wirtschaftliche Systeme verhindern oder ermög­lichen und in wieweit hängen sozialpolitische und ökonomische Hindernisse mit subjektiven Hindernissen zu­sammen? Eine Möglich­keit des Umgangs mit Hindernissen sind Entwicklungen von Formen des Widerstands, aktive Handlungen, die sich gegen gesellschaftspolitische Macht- und Herrschaftsverhältnisse, Gesetzte, Versäumnisse, Partizipationsregeln, Verord­nun­gen, Missstände, etc. richten können. Unterschiedliche Formen des Widerstands bilden in gesellschaft­spolitischen oder privaten Systemen wichtige Korrektive, um Hindernisse zu überwinden, Änderungen herbeizuführen oder bessere Lebensbedingungen innerhalb demokratischer Rahmenbedingungen zu schaffen. Hindernisse werden nur scheinbar weggecoacht und Widerstandsbe­weg­ungen oft­mals diffamiert.

Ort: ratskeller – Galerie für zeitgenössische Kunst, Berlin (2010)

Link zur Ausstellung: www.widerstand-und-hindernisse.de


2009

KünstlerInnen: Raymond Taudin Chabot, Harun Farocki, (e.) Twin Gabriel, Isaac Isitan, Sabrina Malek/Arnaud Soulier, Anna de Manincor, Elke Marhöfer, Barbara Musil, Ferhat Özgür, Tadej Pogačar, Hannah Starkey

Der Wandel des gesellschaftspolitischen Systems innerhalb der letzten 20 Jahre, die Neoliberalisierung breiter polit­ischer, sozialer und wirtschaftlicher Bereiche und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen und Folgen sind allgegenwärtig und dennoch oft versteckt. Zunehmende Armut als Folge von zunehmendem Reichtum, der Rückzug der Solidarg­esel­lschaft, Prekarisierungen von Lebensbedingungen, Verarmung des Mittelstandes und dramatische Existenz­gefähr­dung sozial schwacher Bevölkerungsgruppen sowie extrem auseinander klaffende Einkommensmöglichkeiten werden von Regierungsparteien und deren Wirtschaftsexperten als unumgängliche Maßnahmen der Umsetzung staatlicher Spar­konzepte zur Sanierung des Staatshaushaltes und zum Abbau der Staatsverschuldungen verkauft.

Das Spardogma wurde 2008 durch die Finanzkrise nur kurz unterbrochen und ad absurdum geführt, um dann umso heftiger zurückzukehren: Gelder in Milliardenhöhe standen plötzlich für Rettungspakete der Banken und für Konjunkturmaßnahmen zur Verfügung. Es wurde propagiert, dass all die Finanzpakete nötig sind, um negative Auswirkungen für die Realwirtschaft zu verhindern, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Aber war das nicht eine neue Methode, um den Staat weiter für die eigenen Zwecke auszuhöhlen – noch immer im Sinne des neoliberalen Mottos „Mehr privat, weniger Staat“. D.h. alles wie gehabt, die Methoden der Finanzmarktspekulanten werden sich nicht ändern, die Banken werden noch immer von staatlicher Seite saniert und die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise konnte somit erfolgreich in eine Staatsschuldenkrise umgewandelt werden.

Die Umverteilung des Kapitals – zugunsten der Konzerne und Shareholder – wird weiterhin Gesellschaften erzeugen, die immer mehr durch soziale Ungleichheiten geprägt sein werden. Die Umverteilung wird von der Mainstream-Politik nur anders begründet und gerechtfertigt werden. Im Namen neoliberaler Gebote werden Aufgaben und Leistungen des Sozialstaats nach und nach weiterhin eliminiert werden. Die Inflation des Begriffs des Sozialen wurde und wird durch eine konstruierte Notwendigkeit neoliberalen Agierens und durch konstruierte ökonomische Erlösungsphantasien mitverursacht und beschleunigte damit erfolgreich den Abbau des Sozialstaates. Die Folge sind Entpolitisierung, Entsolidarisierung, Machtverlust und Verarmung der Bevölkerung auf symbolischer und realer Ebene, sowie Perspektivelosigkeit auf einer imaginären Ebene. Steuerermäßigungen für Konzerne, Entlassungen zugunsten von Aktienge­winnen und niedrige Löhne für immer mehr Arbeitsstunden produzieren Ungleichverhältnisse und Armut. Welchen Stellenwert können Begriffe wie Solidarität, Allmende und soziales Handeln heute im gesellschaftlichen Kontext repräsentieren?

Orte: Magazin4 – Bregenzer Kunstverein und Open Space Zentrum für Kunstprojekte Wien (2009), Katalog

Link zur Ausstellung: www.politik-der-umverteilung.net


State of Work – Arbeit im Zustand der Verunsicherung

2007

KünstlerInnen: Slawomir Elsner, Katja Eydel, Stephen Gill, Sofia Hulten, Reinigungsgesellschaft, Michaela Schweiger, Vassiliea Stylianidou, Tobias Zielony

Angst vor dem drohenden Verlust von Arbeit oder vor der Langzeitarbeitslosigkeit produziert Unsicherheiten und neue Dispositionen für Verunsicherungen. Die Ausstellung thematisiert verschiedene Verunsicherungsfaktoren innerhalb von subjektiven und gesellschaftspolitischen Arbeitssystemen. Unsicherheiten, die prekäre Arbeitsbedingungen und Zu­stände am Arbeitsplatz betreffen, als auch Identitätsproblematiken mit der zu verrichtenden Tätigkeit werden unter­sucht. Ebenso werden Verunsicherungsprozesse, die die Folgen und Auswirkungen von Arbeitslosigkeit thematisieren erforscht, sowie die Lebensbedingungen einer Restgesellschaft, die in urbanen und kulturellen Randzonen external­isiert wird. Lebensbedingungen, die oft von Perspektivelosigkeit und von selbstorganisierten Überlebenspraktiken bestimmt werden. Entsteht da nicht eine Zweiklassengesellschaft, die der Arbeitenden, die immer mehr und mehr arbeiten müssen, und die der Arbeitslosen, für die Arbeit zu einem Luxusobjekt wird, weil unerreichbar. Bestimmt somit der Unsicherheitsfaktor nicht den Wert von Arbeit definitiv mit? Und ist soziale Sicherheit endgültig nur mehr ein Privileg der Reichen?

Ort: Fotohof Salzburg (2007)


This Land is My Land (Filmreihe)

2006

RegisseurInnen: Thomas Arslan, Hatice Ayten, Aysun Bademsoy, Peter Braatz, Marie Ulrike Callenius, Neco Celik, Yola L. Grimm, Dirk Hillbert, Nicolas Jacob, Min-Lay Nahrstedt, Heike Tamara Ludwig, Eren Önsöz, Pavel Schnabel, Shelly Silver, Andreas Voigt, Christoph Wermke, Michael Würfel, Manuel Zimmer 

In diesen zwei Filmreihen werden innerdeutsche Sichtweisen, aus zwei unterschiedlichen Positionen, der ostdeutschen und der türkischen reflektiert. Welche sozialen Zwischenräume und Verunsicherungszonen entstehen durch diese von unterschiedlichen Gesellschaftssystemen geprägten Sozialisierungsmodelle? Was sind die unterschiedlichen oder auch als identisch empfundenen Felder der Entfremdung und wie verändern sie sich? Die Konfrontation mit Entfremdungs­prozessen im eigenen Land bzw. im fremden Land, also ostdeutsche und türkische Erfahrungs- und Verunsicherungs­geschichten können von Menschen, die damit nicht in direkte Berührung gekommen sind, oft nicht imaginiert werden. Imaginiert werden Klischees, die vereinfachte Bilder von komplizierten Prozessen vermitteln. Oft werden extrem erschwerte und komplizierte Lebensbedingungen erst wahrgenommen, wenn diese einen Zustand des Unmöglichen erreicht haben und eskalieren, dann aber als Negativwahrnehmung medial instrumentalisiert. Wie wird Deutschland aus

der Position und mit dem Sozialisationshintergrund des Realen Sozialismus und eines islamisch geprägten Gesell­schafts­modells erlebt? Welche sozialen Räume und Möglichkeiten werden als disponibel und welche als versperrt erlebt? Werden ostdeutsche und türkische Transformations- und Emanzipationsprozesse innerhalb von Deutschland überhaupt wahrgenommen? Emanzipatorische Praktiken konstituieren Transformationsprozesse innerhalb von Realitäten, benötigen aber dafür imaginäre (Film)-Ebenen um Aufmerksamkeiten zu erreichen.

Ort: NGBK Berlin (2006), Katalog

http://ngbk.de/site/index.php?option=com_content&view=article&id=81%3Athis-land-is-my-land&Itemid=8



2005

KünstlerInnen: Silvia BeckShahram EntekhabiJudith SiegmundSusanne HanusKatharina Hohmann/Stefan DornbuschKai KaljoAnne König/Axel Doßmann/Jan WenzelRuth MaderMichaela SchweigerGregg SmithHito SteyerlSarah TrippFrank Westermeyer/Sylvie Boisseau

Brandenburg und das Phänomen der gescheiterten Großprojekte in dieser Region, deren sozialgeschichtlicher und gesellschaftspolitischer Kontext ist Ausgangspunkt für das “Modell: Verpasste Gelegenheiten – Symptome der Überforderung”. Gigantische Großprojekte, um keine Gelegenheiten zu verpassen, um im großen Stil Phantasmatisches zu realisieren? Diese Mechanismen des “Jede-Gelegenheit-nützen-Müssens“ beinhalten gerade durch den gesellschafts­politisch ausgeübten Druck nach Realisierung, die Option und die Definition des Verpassens. Exemplarisch für die gescheiterten Großprojekte Brandenburgs wird das Cargo Lifter Projekt als Modell einer ver­passten Gelegenheit präsentiert, das innerhalb eines Systems verpasster Gelegenheiten positioniert wird. Wiederver­eintes Deutschland, symbolisiert durch das Phänomen Cargo-Lifter und EU-europäische Reformideologiepragmatik repräsentieren den gesellschaftspolitischen Kontext der verpassten Gelegenheiten. Gesellschaftspolitische Zusam­menhänge, aber auch der subjektiv private Bereich verpasster Gelegenheiten, Sehnsüchte nach dem imaginären besseren Anderen oder Mög­lichen und deren Folgewirkungen in Bezug auf alltägliche Lebensbedingungen durchforscht. Handelt es sich um Symptome der Überforder­ung, um vorprogrammierte Unmöglichkeiten, um Flucht ins Imaginäre, oder um politisches Kalkül?

Ort: Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam (2005), Katalog

Link zur Ausstellung: http://verpasste-gelegenheit.sabine-winkler.com


Überlebensstrategien für Untrainierte – „The Winner Takes it All …“

2003

KünstlerInnen: Ursula Biemann, Josef Dabernig, Shahram Entekhabi, Harun Farocki, Sofia Hulten, Amis Joslin, Jesper Just, Erik Lamens, Marisa Maza, Corinna Schnitt, Erzen Shkololli, Margot Zanni

Mangel an Identität, soziale, ökonomische oder politische Verunsicherung, oder die Angst vor drohendem Verlust prägen und spalten sowohl subjektive Konstellationen als auch gesellschaftliche Strukturen in konfliktgeladene Zonen. Die Differenz der Ausgangspositionen, gesellschaftlich geprägte Dispositionen und deren Konditionierungen bestimmen die jeweiligen Strategieformen und Kapazitäten. Spuren von kulturellen Entwicklungen/Erfahrungen und Sozialisierungsprozessen werden als Ablager­ungen eingeschrieben und bilden einen „unbewussten“ Verhaltens-Code-Speicher im Sinne überlieferter Codes von Krisenmanagement.

Wie konstituieren sich Verdrängungsmechanismen im subjektiv privaten Bereich und im objektiv öffentlichen Bereich? Funktioniert Verdrängung als Methode, um in einer konstruierten Scheinwelt/Realität unbehelligt von Störfaktoren bleiben zu können? Werden nicht immer wieder neue Verdrängungstechniken und Technologien erfunden, angeboten und gefordert (von Arbeit über TV bis zum Mobil-Telefon), und gibt es nicht bereits die „Pflicht“ zu verdrängen (immer gut drauf zu sein), sowie die „Pflicht“ gesund zu sein?

Wird somit nicht das Selbst ins Abbild verdrängt, aus dem Realen ins Virtuelle transformiert? Das Gesehen/Gehört werden wird ins Virtuelle verlagert, zum Ereignis stilisiert. Wenn es in der Realität nicht stattfindet wird es ins Virtuelle verdrängt und ritualisiert, und somit scheinbar konstitutiv für das Selbst.

Ort: Kunst-und Medienzentrum Adlershof / Berlin (2003)


Die neue (Un)-Sicherheit? Taktiken der Ver(un)sicherung (Kommentiertes Filmscreening)

2003

KünstlerInnen: Claudia Aravena Abughosh, Selda Asal, Mathilde ter Heijne, Florian Zeyfang, Ulrich Heinke, Rolf Pilarsky,  Kai Kaljo, Corinna Schnitt, Maryam Jafri, Susanne Ofteringer, Michaela Schweiger, Frank Westermeyer und Sylvie Boisseau

(Un)Sicherheitsphänomene -taktiken und -symp­tome breiten sich in­ner­halb objektiver gesell­schaftlicher und subjektiv privater Systeme zunehmend aus. Verunsicherungen und Ängste werden instrumentalisiert, um gesteigerte Sicher­heits­bedürfnisse zu generieren: Wie entstehen sie, wie werden sie produziert, wie verkauft? Die Angst -und Sicher­heitsfrage soll sowohl im Kontext soziopolitischer als auch privater intersubjektiver Bezugssys­­teme gestellt werden. Handelt es sich bei diesen produzierten Verun­sicherungen, die im Zustand des “sich bedroht Fühlens” eskalieren, um ein Symptom hysterischer Ge­sell­­­schaftssysteme? Oder handelt es sich um hysterische Unsicherheits­symptome, die Identität­sverlust­ängste, Kontrollver­lust­ängste oder Verdrängung symbolisieren?

Ort: Badischer Kunstverein, Filmscreening, Karlsruhe (2003)